Versteckter Zucker: 70 Namen, die Sie kennen sollten
Zucker versteckt sich unter vielen Namen in Lebensmitteln. Lernen Sie die gängigsten Bezeichnungen kennen und erfahren Sie, wie Sie den tatsächlichen Zuckergehalt erkennen.
Warum Zucker so viele Namen hat
Die Lebensmittelindustrie verwendet eine Vielzahl unterschiedlicher Zuckerarten und Süßungsmittel, die in der Zutatenliste unter verschiedenen Bezeichnungen auftauchen. Da die Zutaten nach absteigender Menge aufgelistet werden, können Hersteller durch die Verwendung mehrerer verschiedener Zuckerarten verhindern, dass Zucker an erster Stelle erscheint. So entsteht der Eindruck, das Produkt enthalte weniger Zucker, als tatsächlich der Fall ist.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, den Anteil freier Zucker auf maximal zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr zu begrenzen, idealerweise auf unter fünf Prozent. Das entspricht bei einem Erwachsenen etwa 25 Gramm pro Tag. Studien des Max Rubner-Instituts zeigen jedoch, dass die durchschnittliche Zuckeraufnahme in Deutschland mit etwa 90 Gramm pro Tag mehr als dreimal so hoch liegt.
Das BMEL hat im Rahmen der Nationalen Reduktionsstrategie Vereinbarungen mit der Lebensmittelindustrie getroffen, um den Zuckergehalt schrittweise zu senken. Fortschritte sind bisher begrenzt, und die Verbraucherzentralen fordern eine verbindliche Zuckerreduktionsstrategie nach britischem Vorbild. Transparentere Kennzeichnung bleibt ein zentrales Anliegen der Verbraucherschützer.
Die wichtigsten Zuckernamen und ihre Bedeutung
Zu den bekanntesten Zuckerbezeichnungen zählen neben Saccharose (Haushaltszucker) auch Glucose (Traubenzucker), Fructose (Fruchtzucker), Lactose (Milchzucker) und Maltose (Malzzucker). Diese Zucker werden chemisch als Mono- und Disaccharide klassifiziert. Glucose-Fructose-Sirup, der in der EU als Alternative zum amerikanischen High-Fructose Corn Syrup an Bedeutung gewonnen hat, findet sich in zahlreichen Getränken und Fertiggerichten.
Weniger offensichtlich sind Bezeichnungen wie Dextrose, Maltodextrin, Isoglucose, Invertzucker, Maissirup, Reissirup und Gerstenmalzextrakt. Auch natürlich klingende Zutaten wie Agavendicksaft, Ahornsirup, Kokosblütenzucker und Honig sind letztlich Zuckerquellen mit vergleichbarem Kaloriengehalt. Das BfR bestätigt, dass diese natürlichen Süßungsmittel vom Körper ähnlich verstoffwechselt werden wie herkömmlicher Zucker.
Besonders tückisch sind Begriffe wie "Fruchtsüße" oder "ohne Zuckerzusatz", die den Eindruck eines gesunden Produkts erwecken. "Ohne Zuckerzusatz" bedeutet lediglich, dass kein zusätzlicher Zucker hinzugefügt wurde – das Produkt kann dennoch natürlicherweise sehr zuckerreich sein. Die Verbraucherzentrale NRW hat eine umfassende Liste mit über 70 Bezeichnungen zusammengestellt, die auf Zucker hindeuten.
Wo versteckt sich der meiste Zucker?
Überraschend hohe Zuckergehalte finden sich in Produkten, die nicht als Süßigkeiten gelten. Fruchtjoghurts enthalten oft 12 bis 15 Gramm Zucker pro 100 Gramm, Ketchup liegt bei rund 22 Gramm, und Fertigsalatsaucen können bis zu 20 Gramm aufweisen. Auch Brot, Wurstwaren und herzhafte Fertiggerichte werden häufig mit Zucker versetzt. Ein einziges Fertiggericht kann bereits die WHO-Tageshöchstmenge an freiem Zucker überschreiten.
Getränke sind eine der größten Quellen für versteckten Zucker. Eine 0,5-Liter-Flasche Cola enthält etwa 53 Gramm Zucker, also mehr als das Doppelte der empfohlenen Tagesdosis. Auch vermeintlich gesunde Getränke wie Orangensaft und Smoothies können erhebliche Zuckermengen enthalten. Besonders problematisch ist, dass Zucker in flüssiger Form das Sättigungsgefühl kaum beeinflusst.
Auch vermeintliche Gesundheitsprodukte wie Müsliriegel und "Fitness"-Cerealien enthalten oft überraschend viel Zucker. Stiftung Warentest hat festgestellt, dass manche Müsliriegel mehr Zucker enthalten als Schokolade. Die Verbraucherzentralen kritisieren das "Kindermarketing" für überzuckerte Produkte und fordern ein Werbeverbot für an Kinder gerichtete ungesunde Lebensmittel.
So lesen Sie die Nährwerttabelle richtig
Die Nährwerttabelle gibt den Gesamtzuckergehalt pro 100 Gramm oder 100 Milliliter an. In der Zeile "davon Zucker" unter den Kohlenhydraten finden Sie den relevanten Wert. Eine Faustregel: Produkte mit weniger als 5 Gramm Zucker pro 100 Gramm gelten als zuckerarm, ab 15 Gramm beginnt der Bereich eines hohen Zuckergehalts. Bei Getränken liegt die Schwelle bereits bei 7,5 Gramm pro 100 Milliliter.
Beachten Sie, dass die Nährwertangaben pro 100 Gramm und nicht pro Portion angegeben sind. Manche Hersteller drucken zusätzlich Portionsangaben auf die Verpackung, wobei die Portionsgrößen oft unrealistisch klein gewählt werden. Ein Becher Fruchtjoghurt enthält tatsächlich die drei- bis vierfache Menge der Portionsangabe. Rechnen Sie daher immer auf die tatsächlich verzehrte Menge hoch.
Für einen schnellen Überblick können Sie den Nutri-Score nutzen oder Apps wie OpenFoodFacts, die den Zuckergehalt in Zuckerwürfel umrechnen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, regelmäßig die Nährwerttabellen verschiedener Produkte zu vergleichen und sich schrittweise für zuckerärmere Alternativen zu entscheiden.
Praktische Tipps zur Zuckerreduktion im Alltag
Eine effektive Strategie beginnt mit dem bewussten Lesen von Zutatenlisten. Ersetzen Sie zuckerreiche Fertigprodukte schrittweise: Naturjoghurt statt Fruchtjoghurt, Haferflocken statt Cerealien, Wasser statt Softdrinks. Kochen Sie häufiger selbst, denn so haben Sie die volle Kontrolle über den Zuckergehalt. Die DGE empfiehlt, den Zuckerkonsum schrittweise zu reduzieren.
Seien Sie wachsam bei Produkten, die als "zuckerreduziert" oder "zuckerfrei" beworben werden. "Zuckerreduziert" bedeutet lediglich 30 Prozent weniger als das Original. Manche als zuckerfrei beworbenen Produkte enthalten stattdessen Süßstoffe oder Zuckeraustauschstoffe wie Erythrit oder Xylit, deren langfristige Wirkungen teilweise noch erforscht werden.
Nutzen Sie die Angebote der Verbraucherzentralen für individuelle Ernährungsberatung. Auch die DGE stellt auf ihrer Website Informationen und Rezepte für eine zuckerarme Ernährung bereit. Jede Reduktion zählt, und bereits kleine Veränderungen im Alltag können langfristig einen großen Unterschied für Ihre Gesundheit machen.
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Geprüft durch das Verbraucherschutz Institut Deutschland
Dieser Artikel wurde von unserer Redaktion sorgfältig recherchiert und nach den Grundsätzen des unabhängigen Verbraucherschutzes erstellt. Stand: 5. Dezember 2025.