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Lebensmittel & Ernährung6 Min. Lesezeit

Nutri-Score: Was das Label wirklich aussagt

Der Nutri-Score erklärt: Wie die Nährwertkennzeichnung berechnet wird, was sie aussagt – und wo ihre Grenzen liegen. Ein kritischer Verbraucher-Guide.

So funktioniert der Nutri-Score

Der Nutri-Score ist eine freiwillige Nährwertkennzeichnung auf der Vorderseite von Lebensmittelverpackungen. Er bewertet die Nährwertqualität eines Produkts auf einer fünfstufigen Farbskala von A (dunkelgrün, günstige Nährwertbilanz) bis E (dunkelrot, ungünstige Nährwertbilanz). Die Berechnung basiert auf einem Punktesystem pro 100 Gramm oder 100 Milliliter.

Negativ bewertet werden: Energiegehalt, Zucker, gesättigte Fettsäuren und Salz. Positiv bewertet werden: Obst-, Gemüse- und Nussanteil, Ballaststoffe und Eiweiß. Der Nutri-Score 2.0, der seit 2024 gilt, hat die Berechnungsmethode überarbeitet: Vollkorngetreide wird stärker belohnt, Süßungsmittel werden negativer bewertet, und die Kategorien für Getränke und feste Lebensmittel wurden verfeinert.

Was der Nutri-Score aussagt – und was nicht

Der Nutri-Score ermöglicht den schnellen Vergleich von Produkten derselben Kategorie: Welches Müsli hat die bessere Nährwertbilanz? Welche Tiefkühlpizza schneidet besser ab? Für diesen Vergleich innerhalb einer Produktgruppe ist der Nutri-Score gut geeignet und wissenschaftlich fundiert.

Aber: Der Nutri-Score sagt nichts über Zusatzstoffe, Pestizidbelastung, Verarbeitungsgrad oder Nachhaltigkeit aus. Ein hochverarbeitetes Produkt mit optimiertem Nährwertprofil kann ein besseres A erhalten als ein naturbelassenes Produkt mit höherem Fettgehalt. Olivenöl erhält beispielsweise nur ein C oder D – obwohl es als Bestandteil der mediterranen Ernährung als gesundheitsförderlich gilt.

Kritik am Nutri-Score

Die größte Kritik ist die fehlende Berücksichtigung des Verarbeitungsgrads. Studien zeigen, dass ultrahochverarbeitete Lebensmittel (NOVA-Gruppe 4) mit erhöhten Gesundheitsrisiken verbunden sind – unabhängig von ihrem Nährwertprofil. Ein künstlich gesüßter Light-Joghurt mit zahlreichen Zusatzstoffen kann einen besseren Nutri-Score erhalten als ein handwerklich hergestellter Naturjoghurt.

Weitere Kritikpunkte: Die Bezugsgröße von 100 g berücksichtigt keine realistischen Verzehrmengen. Käse und Butter, die in kleinen Mengen verzehrt werden, erhalten schlechte Scores. Die freiwillige Anwendung führt zu einem Selektionseffekt – Hersteller mit schlechten Scores verzichten auf die Kennzeichnung.

Nutri-Score richtig nutzen

Verwenden Sie den Nutri-Score als Orientierungshilfe beim Vergleich ähnlicher Produkte – nicht als alleiniges Entscheidungskriterium. Vergleichen Sie Cornflakes mit Cornflakes, nicht Cornflakes mit Olivenöl. Ergänzen Sie den Nutri-Score durch einen Blick auf die Zutatenliste: Kurze Zutatenlisten mit bekannten Zutaten deuten auf weniger verarbeitete Produkte hin.

Beachten Sie, dass ein A oder B nicht automatisch gesund' bedeutet und ein D oder E nicht ungesund'. Der Nutri-Score ist ein Vergleichsinstrument, kein Gesundheitszeugnis. Eine ausgewogene Ernährung besteht aus einer Vielfalt an möglichst wenig verarbeiteten Lebensmitteln – kein Label kann dies allein gewährleisten.

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Geprüft durch das Verbraucherschutz Institut Deutschland

Dieser Artikel wurde von unserer Redaktion sorgfältig recherchiert und nach den Grundsätzen des unabhängigen Verbraucherschutzes erstellt. Stand: 7. Januar 2026.