P2P-Kredite: Warnung vor Risiken für Anleger
P2P-Kredite als Geldanlage: Die Risiken, die viele Anleger unterschätzen. Warnung vor Plattformausfällen, Kreditausfällen und mangelnder Regulierung.
Was sind P2P-Kredite und warum locken hohe Renditen?
P2P-Kredite (Peer-to-Peer-Kredite) ermöglichen es Privatpersonen, über Online-Plattformen direkt Geld an andere Privatpersonen oder kleine Unternehmen zu verleihen – ohne eine Bank als Vermittler. Plattformen wie Mintos, Bondora oder Estateguru locken mit Renditen von 8 bis 15 Prozent pro Jahr, die deutlich über den Erträgen klassischer Sparprodukte und vieler Anleihen liegen. Diese hohen Renditen kommen jedoch nicht ohne Grund – sie spiegeln ein entsprechend hohes Risiko wider.
Das Grundprinzip ist einfach: Kreditnehmer, die von Banken keinen Kredit erhalten oder höhere Zinsen vermeiden wollen, leihen sich Geld über die Plattform. Anleger investieren in diese Kredite und erhalten dafür Zinsen. Die Plattform vermittelt und kassiert eine Gebühr. Was sich nach einer Win-Win-Situation anhört, birgt jedoch erhebliche Risiken, die vielen Anlegern nicht ausreichend bewusst sind.
Das Verbraucherschutz Institut Deutschland warnt ausdrücklich vor der unkritischen Investition in P2P-Kredite. Die Verlockung hoher Renditen verleitet viele Anleger dazu, einen zu großen Teil ihres Vermögens in diese hochriskante Anlageform zu stecken. Im Gegensatz zu Bankeinlagen sind P2P-Kredite nicht durch die Einlagensicherung geschützt – ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich und kommt vor.
Die größten Risiken bei P2P-Krediten
Das offensichtlichste Risiko ist der Kreditausfall: Der Kreditnehmer zahlt seinen Kredit nicht zurück. Bei Verbraucherkrediten an Personen mit geringer Bonität können Ausfallraten von 10 bis 20 Prozent oder mehr auftreten. Viele Plattformen bieten sogenannte Rückkaufgarantien an, die bei Zahlungsverzug den Kredit zurückkaufen sollen. Diese Garantien sind jedoch nur so gut wie die Bonität des Kreditgebers, der sie ausspricht – und der kann selbst in Zahlungsschwierigkeiten geraten.
Das Plattformrisiko ist mindestens ebenso gravierend: Geht die P2P-Plattform insolvent, können Anleger den Zugriff auf ihr investiertes Kapital verlieren. In der Vergangenheit sind mehrere Plattformen gescheitert oder haben sich als betrügerisch herausgestellt. Die lettische Plattform Envestio verschwand 2020 mitsamt Anlegergeldern, und auch bei Grupeer und Kuetzal verloren tausende Anleger ihr Geld. Die regulatorische Aufsicht über P2P-Plattformen ist in vielen EU-Ländern noch unzureichend.
Ein weiteres Risiko ist das Liquiditätsrisiko. Obwohl viele Plattformen Sekundärmärkte anbieten, auf denen Anleger ihre Kreditanteile vor Fälligkeit verkaufen können, funktionieren diese in Krisenzeiten oft nicht. Wenn viele Anleger gleichzeitig verkaufen wollen, gibt es keine Käufer, und das Kapital ist faktisch eingefroren. Anders als bei börsennotierten Wertpapieren gibt es keinen garantierten Markt für P2P-Kreditanteile.
Regulierung und Anlegerschutz: Die Lücken
Die EU hat mit der European Crowdfunding Service Provider Regulation (ECSP) einen einheitlichen Rechtsrahmen für Schwarmfinanzierungsdienstleister geschaffen, der seit November 2023 gilt. Diese Verordnung schafft erstmals einheitliche Anforderungen an P2P-Plattformen bezüglich Lizenzierung, Transparenz und Anlegerschutz. Allerdings fallen nicht alle bestehenden Plattformen unter diese Regulierung, und die Umsetzung in den einzelnen EU-Ländern ist unterschiedlich weit fortgeschritten.
Im Gegensatz zu Bankeinlagen, die in Deutschland durch die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Kunde und Bank geschützt sind, gibt es für P2P-Investitionen keinen vergleichbaren Schutz. Auch die Anlegerentschädigung nach dem Anlegerentschädigungsgesetz greift bei P2P-Krediten nicht. Im Insolvenzfall der Plattform stehen Anleger als unbesicherte Gläubiger in der Rangfolge weit hinten und erhalten oft nur einen Bruchteil ihres Kapitals zurück.
Die BaFin hat in mehreren Warnungen auf die Risiken von P2P-Investitionen hingewiesen und betont, dass hohe Renditeversprechen immer mit entsprechend hohen Risiken einhergehen. Prüfen Sie vor einer Investition, ob die Plattform über die erforderlichen regulatorischen Genehmigungen verfügt und wer die Aufsichtsbehörde ist. Plattformen mit Sitz in Ländern mit schwacher Finanzaufsicht sind besonders risikobehaftet.
Steuerliche Behandlung und praktische Hürden
Erträge aus P2P-Krediten unterliegen in Deutschland der Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Anders als bei deutschen Banken und Brokern wird die Steuer von ausländischen P2P-Plattformen in der Regel nicht automatisch abgeführt. Sie müssen die Erträge selbst in Ihrer Steuererklärung angeben, was einen zusätzlichen Verwaltungsaufwand bedeutet. Ausfälle können unter bestimmten Voraussetzungen steuerlich geltend gemacht werden.
Die steuerliche Dokumentation bei P2P-Plattformen ist oft mangelhaft. Viele Plattformen bieten zwar Steuerberichte an, diese entsprechen aber nicht immer den Anforderungen der deutschen Finanzverwaltung. Zinserträge in Fremdwährungen müssen zum Tageskurs in Euro umgerechnet werden, und bei Rückkaufgarantien kann die steuerliche Einordnung der Erträge unklar sein. Lassen Sie sich im Zweifelsfall von einem Steuerberater unterstützen.
Verluste aus P2P-Kreditausfällen können seit einem BFH-Urteil von 2021 grundsätzlich steuerlich geltend gemacht werden, wenn der endgültige Ausfall feststeht. Die Verlustverrechnung ist allerdings auf 20.000 Euro pro Jahr begrenzt und kann nur mit positiven Kapitalerträgen verrechnet werden. Nicht verrechnete Verluste können in Folgejahre vorgetragen werden, was jedoch die Komplexität der Steuererklärung weiter erhöht.
Warnsignale: Woran Sie unseriöse Plattformen erkennen
Seien Sie besonders skeptisch bei Plattformen, die Renditen von deutlich über 12 Prozent versprechen, ohne die damit verbundenen Risiken transparent darzustellen. Hohe Renditen sind immer ein Zeichen für hohes Risiko – es gibt keine risikofreien Renditen über dem Marktzins. Wenn eine Plattform suggeriert, dass Ihr Kapital sicher sei und gleichzeitig zweistellige Renditen bietet, ist dies ein klares Warnsignal für ein mögliches Schneeballsystem.
Prüfen Sie die Transparenz der Plattform: Werden die Kreditnehmer und deren Bonität nachvollziehbar dargestellt? Gibt es regelmäßige Berichte über Ausfallraten und die finanzielle Situation der Plattform? Ist die Geschäftsführung namentlich bekannt und verfügt sie über relevante Branchenerfahrung? Fehlen diese Informationen oder sind sie nur schwer zugänglich, sollten Sie von einer Investition absehen.
Recherchieren Sie die Plattform gründlich in Foren, bei Verbraucherschutzorganisationen und in der Finanzpresse, bevor Sie investieren. Achten Sie auf unabhängige Bewertungen und nicht auf bezahlte Werbepartner oder Affiliate-Links. Die BaFin-Datenbank und die europäische ESMA-Datenbank geben Auskunft darüber, ob eine Plattform reguliert ist. Investieren Sie niemals mehr, als Sie bereit sind, vollständig zu verlieren.
Fazit: P2P-Kredite nur als kleine Beimischung
P2P-Kredite können als kleine Beimischung in einem breit diversifizierten Portfolio eine Rolle spielen, sollten aber niemals den Kern der Geldanlage bilden. Experten empfehlen, maximal 5 bis 10 Prozent des Gesamtvermögens in P2P-Kredite zu investieren und auch innerhalb dieser Anlageklasse auf mehrere Plattformen und Kreditarten zu diversifizieren. Investieren Sie nur Geld, auf das Sie im schlimmsten Fall vollständig verzichten können.
Für die meisten Verbraucher sind breit gestreute ETFs die bessere Wahl für den langfristigen Vermögensaufbau. Sie bieten bei niedrigeren Kosten und geringerem Risiko langfristig attraktive Renditen und sind über die Börse jederzeit handelbar. Wenn Sie dennoch in P2P-Kredite investieren möchten, tun Sie dies mit offenen Augen für die Risiken und einer klaren Begrenzung des eingesetzten Kapitals.
Das Verbraucherschutz Institut Deutschland rät dringend, vor einer Investition in P2P-Kredite unabhängige Beratung einzuholen und sich nicht von vermeintlich einfachen Renditeversprechen blenden zu lassen. Die Verbraucherzentralen bieten Beratung zur Geldanlage an und können Ihnen helfen, eine für Ihre persönliche Situation geeignete Anlagestrategie zu entwickeln.
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Geprüft durch das Verbraucherschutz Institut Deutschland
Dieser Artikel wurde von unserer Redaktion sorgfältig recherchiert und nach den Grundsätzen des unabhängigen Verbraucherschutzes erstellt. Stand: 5. Mai 2026.