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Energie(aktualisiert: 28. Februar 2026)8 Min. Lesezeit

Stromanbieter wechseln: So sparen Sie beim Strom

Stromanbieter wechseln leicht gemacht: Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Stromanbieterwechsel, Vergleichstipps und Ihre Rechte als Verbraucher.

Warum ein Stromanbieterwechsel bares Geld spart

Trotz gesunkener Großhandelspreise zahlen viele Verbraucher in Deutschland noch immer zu viel für ihren Strom, weil sie im teuren Grundversorgungstarif ihres lokalen Anbieters verblieben sind. Die Preisunterschiede zwischen dem Grundversorgungstarif und dem günstigsten verfügbaren Tarif betragen je nach Region 200 bis 500 Euro pro Jahr für einen Durchschnittshaushalt mit 3.500 kWh Verbrauch. Ein Wechsel des Stromanbieters ist unkompliziert, dauert in der Regel nur wenige Minuten und birgt keinerlei Risiko einer Versorgungsunterbrechung.

Das Recht auf freie Anbieterwahl ist im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) verankert. Seit der Liberalisierung des Strommarkts 1998 können alle Verbraucher ihren Stromanbieter frei wählen. Der örtliche Netzbetreiber bleibt unverändert für den Betrieb der Stromleitungen zuständig – ein Wechsel des Anbieters hat keinerlei Auswirkung auf die Qualität oder Zuverlässigkeit der Stromversorgung. Selbst wenn der neue Anbieter insolvent gehen sollte, wird die Versorgung nahtlos durch den Grundversorger sichergestellt.

Dennoch wechseln nur etwa 25 Prozent der deutschen Haushalte regelmäßig ihren Stromanbieter. Viele Verbraucher scheuen den vermeintlichen Aufwand oder fürchten Komplikationen. Tatsächlich übernimmt der neue Anbieter die Kündigung beim alten Versorger und kümmert sich um alle Formalitäten. Sie müssen lediglich Ihren aktuellen Verbrauch, Ihre Zählernummer und Ihren bisherigen Anbieter angeben.

So vergleichen Sie Stromtarife richtig

Vergleichsportale wie Check24, Verivox oder Stromauskunft bieten einen schnellen Überblick über verfügbare Tarife in Ihrer Region. Geben Sie Ihre Postleitzahl und Ihren Jahresverbrauch ein – diesen finden Sie auf Ihrer letzten Stromrechnung oder auf dem Zähler selbst. Achten Sie darauf, die voreingestellten Filteroptionen kritisch zu prüfen, da manche Portale standardmäßig Tarife mit Neukundenbonus und kurzer Laufzeit bevorzugen, die langfristig nicht die günstigsten sein müssen.

Bevorzugen Sie Tarife mit monatlicher Kündigungsfrist oder einer maximalen Vertragslaufzeit von 12 Monaten. Lange Bindungsfristen von 24 Monaten schränken Ihre Flexibilität ein und können bei sinkenden Marktpreisen nachteilig sein. Die Preisgarantie sollte mindestens die gesamte Erstlaufzeit abdecken und idealerweise eine sogenannte Preisfixierung sein, die alle Preisbestandteile einschließt – nicht nur den Energiepreis.

Seien Sie vorsichtig bei Tarifen mit extrem hohen Neukundenboni. Diese Boni werden oft erst nach 12 Monaten ausgezahlt, und der Tarif kann im zweiten Jahr deutlich teurer werden. Berechnen Sie immer die Gesamtkosten über die volle Vertragslaufzeit inklusive und exklusive des Bonus. Vermeiden Sie außerdem Pakettarife mit Vorauskasse, bei denen Sie eine fixe Strommenge im Voraus bezahlen – bei Mehrverbrauch werden hohe Nachzahlungen fällig, bei Minderverbrauch gibt es oft keine Erstattung.

Der Wechselprozess: Schritt für Schritt

Nach der Tarifauswahl schließen Sie den neuen Vertrag online oder telefonisch ab. Der neue Anbieter benötigt Ihre persönlichen Daten, die Zählernummer, den geschätzten Jahresverbrauch und den gewünschten Lieferbeginn. In der Regel kündigt der neue Anbieter den bestehenden Vertrag bei Ihrem alten Versorger – Sie müssen sich um nichts weiter kümmern. Nur bei einer Sonderkündigung (etwa wegen Preiserhöhung) sollten Sie die Kündigung selbst vornehmen, um die Frist zu wahren.

Der gesamte Wechselprozess dauert gemäß den gesetzlichen Vorgaben maximal drei Wochen ab Eingang des Wechselwunsches beim Netzbetreiber. In der Praxis vergehen zwischen Anmeldung und tatsächlichem Lieferbeginn etwa vier bis sechs Wochen. Während dieser Zeit werden Sie weiterhin zuverlässig mit Strom versorgt. Am Umstellungstag liest entweder der Netzbetreiber den Zählerstand ab, oder Sie werden aufgefordert, einen Selbstablesung vorzunehmen.

Nach dem erfolgreichen Wechsel erhalten Sie eine Bestätigung des neuen Anbieters mit den Vertragsdaten und dem Lieferbeginn. Prüfen Sie diese Bestätigung sorgfältig und vergleichen Sie die Konditionen mit Ihrem ursprünglichen Angebot. Notieren Sie sich die Kündigungsfrist und die Vertragslaufzeit, damit Sie rechtzeitig vor Ablauf erneut vergleichen und gegebenenfalls wechseln können.

Sonderkündigungsrecht bei Preiserhöhungen

Erhöht Ihr Stromanbieter den Preis, steht Ihnen gemäß § 41 Abs. 3 EnWG ein Sonderkündigungsrecht zu. Der Anbieter ist verpflichtet, Sie mindestens sechs Wochen vor Inkrafttreten der Preiserhöhung in Textform zu informieren und auf Ihr Sonderkündigungsrecht hinzuweisen. Sie können den Vertrag dann zum Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Erhöhung kündigen. Reagieren Sie zeitnah auf solche Mitteilungen, um Ihre Wechselmöglichkeit nicht zu versäumen.

Das Sonderkündigungsrecht besteht auch dann, wenn die Preiserhöhung auf gestiegene Steuern, Abgaben oder Umlagen zurückzuführen ist, die der Anbieter an Sie weitergibt. Einzige Ausnahme sind Änderungen gesetzlicher Steuersätze wie der Mehrwertsteuer, die unmittelbar wirksam werden und kein Sonderkündigungsrecht auslösen. Im Zweifelsfall hilft eine Beratung bei der Verbraucherzentrale oder der Schlichtungsstelle Energie, die kostenlos Streitigkeiten zwischen Verbrauchern und Energieversorgern schlichten kann.

Ökostrom: Umweltbewusst Strom beziehen

Ökostromtarife sind oft nicht teurer als konventionelle Tarife und ermöglichen es Ihnen, einen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Allerdings ist Ökostrom nicht gleich Ökostrom: Viele Tarife basieren auf eingekauften Herkunftsnachweisen aus skandinavischen Wasserkraftwerken, ohne dass ein zusätzlicher Umweltnutzen entsteht. Achten Sie auf anerkannte Ökostrom-Siegel wie das Grüner Strom Label oder das ok-power-Siegel, die sicherstellen, dass ein Teil des Preises in den Ausbau erneuerbarer Energien fließt.

Besonders empfehlenswert sind unabhängige Ökostromanbieter wie Naturstrom, EWS Schönau, Greenpeace Energy oder Polarstern, die ausschließlich Strom aus erneuerbaren Quellen anbieten und nachweislich in den Ausbau neuer Anlagen investieren. Diese Anbieter sind preislich oft konkurrenzfähig mit den Grundversorgungstarifen großer Energiekonzerne und bieten zusätzlich die Gewissheit, dass Ihr Geld tatsächlich der Energiewende zugutekommt.

Der Bezug von Ökostrom senkt nicht automatisch Ihren persönlichen CO₂-Fußabdruck, da der physische Strom aus der Steckdose immer der gleiche Mix aus dem öffentlichen Netz ist. Der ökologische Effekt entsteht dadurch, dass die Nachfrage nach Ökostrom den Ausbau erneuerbarer Energien fördert und konventionelle Energieträger langfristig verdrängt. In Kombination mit Energiesparmaßnahmen und einer eigenen Photovoltaikanlage können Sie Ihren Beitrag zum Klimaschutz maximieren.

Schlagwörter

StromanbieterStromwechselEnergiekostenÖkostromEnWGVergleichsportalStrompreis

Geprüft durch das Verbraucherschutz Institut Deutschland

Dieser Artikel wurde von unserer Redaktion sorgfältig recherchiert und nach den Grundsätzen des unabhängigen Verbraucherschutzes erstellt. Stand: 28. Februar 2026.