Airbnb: Rechte und Pflichten für Gäste und Gastgeber
Airbnb in Deutschland: Welche Rechte haben Gäste bei Mängeln, welche Pflichten haben Gastgeber und was gilt bei Stornierungen? Ihr vollständiger Rechtsratgeber.
Rechtliche Einordnung: Ist Airbnb ein Miet- oder Beherbergungsvertrag?
Die rechtliche Einordnung von Airbnb-Buchungen hängt vom konkreten Angebot ab. Bei kurzzeitigen Aufenthalten in einer möblierten Ferienwohnung handelt es sich in der Regel um einen Beherbergungsvertrag, der dem Mietrecht nur eingeschränkt unterliegt. Für den Gast bedeutet dies, dass die umfangreichen Schutzrechte des Wohnraummietrechts – etwa der Kündigungsschutz – nicht greifen. Stattdessen gelten die allgemeinen Vorschriften des BGB über Mietverträge sowie die Geschäftsbedingungen der Airbnb-Plattform.
Für Gastgeber ist die Unterscheidung besonders relevant, da sie steuerliche und gewerberechtliche Konsequenzen hat. Wer regelmäßig eine Wohnung über Airbnb vermietet, betreibt unter Umständen ein Gewerbe und muss dies beim Gewerbeamt anmelden. Die Einkünfte sind in der Einkommensteuererklärung anzugeben und ab bestimmten Freigrenzen steuerpflichtig. Seit 2023 sind Plattformen wie Airbnb zudem verpflichtet, die Vermietungsdaten ihrer Gastgeber an die deutschen Steuerbehörden zu melden.
In vielen deutschen Städten gelten darüber hinaus Zweckentfremdungsverbote, die die Kurzzeitvermietung von Wohnraum einschränken oder genehmigungspflichtig machen. In Berlin, München, Hamburg und anderen Großstädten benötigen Gastgeber eine behördliche Genehmigung, bevor sie ihre Wohnung über Airbnb vermieten dürfen. Verstöße können mit empfindlichen Bußgeldern von bis zu 500.000 Euro geahndet werden. Informieren Sie sich vor der Vermietung über die lokalen Regelungen.
Rechte des Gastes bei Mängeln der Unterkunft
Wenn die über Airbnb gebuchte Unterkunft erheblich von der Beschreibung abweicht, haben Sie als Gast verschiedene Rechte. Die Airbnb-Plattform gewährt über ihre 'AirCover'-Garantie einen Umbuchungsschutz: Wenn die Unterkunft nicht der Inseratsbeschreibung entspricht, können Sie innerhalb von 72 Stunden nach dem Check-in eine Umbuchung oder Erstattung beantragen. Typische Gründe sind fehlende zugesicherte Ausstattung, erhebliche Sauberkeitmängel oder eine falsche Lage.
Unabhängig von der Airbnb-Plattform stehen Ihnen auch gesetzliche Gewährleistungsrechte zu. Wenn die Wohnung Mängel aufweist, die ihre Tauglichkeit mindern, können Sie nach § 536 BGB eine Mietminderung geltend machen. Die Minderung muss dem Vermieter (Gastgeber) angezeigt werden, und sie tritt automatisch ein, solange der Mangel besteht. Bei schwerwiegenden Mängeln wie dem Ausfall der Heizung im Winter oder einem Schimmelbefall können Sie den Vertrag fristlos kündigen.
Dokumentieren Sie Mängel sofort mit Fotos und Videos und kontaktieren Sie den Gastgeber über die Airbnb-Nachrichtenfunktion, um eine Nachweisspur zu haben. Wenn der Gastgeber nicht reagiert oder den Mangel nicht behebt, wenden Sie sich an den Airbnb-Kundenservice. Bewahren Sie alle Kommunikation über die Plattform ab, da Airbnb im Streitfall die Nachrichtenverläufe als Beweis heranzieht. Bei Sicherheitsmängeln wie defekten Schlössern oder fehlenden Rauchmeldern sollten Sie die Unterkunft sofort verlassen und eine Umbuchung verlangen.
Stornierung und Erstattung: Die Airbnb-Stornierungsrichtlinien
Airbnb bietet verschiedene Stornierungsrichtlinien an, die der Gastgeber bei der Erstellung des Inserats auswählt: flexibel, moderat, streng und sehr streng. Bei der flexiblen Richtlinie können Sie bis zu 24 Stunden vor dem Check-in kostenfrei stornieren. Die moderate Variante erlaubt eine kostenfreie Stornierung bis 5 Tage vorher. Bei der strengen Richtlinie erhalten Sie bei einer Stornierung bis 14 Tage vor dem Check-in nur 50 Prozent des Unterkunftspreises zurück, die Servicegebühr wird jedoch vollständig erstattet.
Seit 2022 bietet Airbnb eine erweiterte Stornierungsregelung für mildernde Umstände an. Dazu gehören unerwartete schwere Erkrankungen, Naturkatastrophen, Reisebeschränkungen durch Regierungen und der Tod eines nahen Angehörigen. In diesen Fällen können Sie auch bei einer strengen Stornierungsrichtlinie eine vollständige oder teilweise Erstattung erhalten. Die Anerkennung mildernder Umstände liegt jedoch im Ermessen von Airbnb und erfordert die Vorlage entsprechender Nachweise.
Überprüfen Sie vor der Buchung immer die geltende Stornierungsrichtlinie, die auf der Buchungsseite angezeigt wird. Bei teuren Buchungen oder unsicherer Reiseplanung sollten Sie bevorzugt Unterkünfte mit flexibler Stornierung wählen oder eine Reiserücktrittsversicherung abschließen, die auch Airbnb-Buchungen abdeckt. Beachten Sie, dass die Airbnb-Servicegebühr nur bei Stornierungen innerhalb der kostenfreien Frist erstattet wird.
Pflichten des Gastgebers: Sicherheit, Steuern und Meldepflichten
Gastgeber haben umfangreiche Pflichten, die über die reine Bereitstellung der Unterkunft hinausgehen. Die Wohnung muss den geltenden Sicherheitsvorschriften entsprechen: Rauchmelder sind in allen Bundesländern Pflicht, Feuerlöscher und CO-Melder werden empfohlen. Der Zugang zur Unterkunft muss sicher sein, und Fluchtwege müssen frei zugänglich sein. Mängel, die die Sicherheit der Gäste gefährden, können zu Schadensersatzansprüchen und ordnungswidrigkeitenrechtlichen Konsequenzen führen.
Steuerlich müssen Gastgeber die Einnahmen aus der Vermietung in ihrer Einkommensteuererklärung angeben. Bei gelegentlicher Vermietung können die Einnahmen als sonstige Einkünfte nach § 22 EStG steuerfrei sein, wenn sie unterhalb des Freibetrags von 256 Euro pro Jahr bleiben. Bei regelmäßiger Vermietung handelt es sich um Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, die in voller Höhe steuerpflichtig sind. Die Kosten für Reinigung, Ausstattung und Instandhaltung können als Werbungskosten abgesetzt werden.
In vielen Städten sind Gastgeber zudem verpflichtet, Gäste beim Einwohnermeldeamt zu melden und eine Kurtaxe oder Bettensteuer zu erheben und abzuführen. In Berlin müssen Gastgeber eine Registrierungsnummer beantragen und im Inserat angeben. Wer diese Pflichten vernachlässigt, riskiert nicht nur Bußgelder, sondern auch die Sperrung seines Airbnb-Kontos. Informieren Sie sich gründlich über die lokalen Pflichten, bevor Sie Ihre Unterkunft auf der Plattform anbieten.
Streitbeilegung: Vermittlung durch Airbnb und rechtliche Schritte
Bei Streitigkeiten zwischen Gast und Gastgeber bietet Airbnb ein internes Schlichtungsverfahren an, das 'Resolution Center'. Hier können beide Parteien Schadensmeldungen einreichen, Beweise vorlegen und eine einvernehmliche Lösung suchen. Kommt keine Einigung zustande, entscheidet das Airbnb-Team als Vermittler. Die Entscheidung von Airbnb ist jedoch nicht bindend, und beide Parteien behalten das Recht, ihre Ansprüche vor einem ordentlichen Gericht geltend zu machen.
Unabhängig vom Airbnb-Schlichtungsverfahren können Sie als Gast Ihre Gewährleistungsrechte direkt gegenüber dem Gastgeber geltend machen. Da der Mietvertrag zwischen Gast und Gastgeber besteht, nicht zwischen Gast und Airbnb, richten sich die vertraglichen Ansprüche gegen den Gastgeber persönlich. In der Praxis gestaltet sich die Durchsetzung solcher Ansprüche jedoch schwierig, insbesondere wenn der Gastgeber im Ausland ansässig ist.
Für deutsche Verbraucher bietet die Europäische Online-Streitbeilegungsplattform (ODR-Plattform) eine weitere Möglichkeit der außergerichtlichen Streitbeilegung. Bei Buchungen in anderen EU-Ländern können Sie auch die Verbraucherzentrale Ihres Bundeslandes oder das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland einschalten. Bei höheren Streitwerten kann sich die Beauftragung eines Fachanwalts lohnen, der die Erfolgsaussichten einer Klage einschätzen und die Ansprüche professionell durchsetzen kann.
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Geprüft durch das Verbraucherschutz Institut Deutschland
Dieser Artikel wurde von unserer Redaktion sorgfältig recherchiert und nach den Grundsätzen des unabhängigen Verbraucherschutzes erstellt. Stand: 14. Februar 2026.